Gewährleistungslabel ab 27.09.2026: Umsetzung im JTL-Shop ohne Notfall-Update
Ein Label für das ganze Sortiment, zwei mögliche Plätze im Shop — und die Frage, ob man dafür wirklich einen Tag vor der Frist auf Shop 5.8 springt.
Am 27. September 2026 kommt eine Pflicht, die fast jeden Shop betrifft, der an Verbraucher verkauft: das EU-Gewährleistungslabel. Eine standardisierte, farbige Grafik mit QR-Code, die Verbraucher über ihre gesetzlichen Mängelrechte informiert — unabhängig davon, ob der Hersteller irgendeine Garantie gibt.
Die gute Nachricht vorweg: Das Label enthält keine produktspezifischen Angaben. Kein Hersteller, kein Modell, keine Laufzeit. Ein einziges Label gilt für das gesamte Sortiment. Das ist der Unterschied zu GPSR, wo am Ende jeder Artikel einzeln stimmen muss.
Die unangenehmere Nachricht: JTL hat die Labels in Shop 5.8.0 eingebaut — Release ist der 26.09.2026, ein Tag vor der Frist. Für Shop 5.7 und älter gibt es keinen Backport. Wer heute auf 5.7 läuft, steht damit vor der Frage, ob er kurz vor dem Stichtag ein Major-Update fährt. Meine Antwort darauf steht weiter unten, und sie lautet nein.
Vorweg, wie immer bei solchen Themen: Das hier ist die technische Seite. Was in Ihrem Fall rechtlich gilt, gehört zu einem Anwalt, nicht in einen Blogbeitrag.
Was genau gefordert ist
Grundlage ist die EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825, in Deutschland umgesetzt über die vorvertraglichen Informationspflichten in Art. 246 und Art. 246a EGBGB. Wie die Labels aussehen müssen, steht in der Durchführungsverordnung (EU) 2025/1960 — Anhang I regelt die Gewährleistungsmitteilung, Anhang II das Garantielabel.
Für die Praxis heißt das:
- Farbige Grafik, direkt eingebunden. Die vorgegebenen Farben sind Blau
#003399und Gelb#FFED00. Graustufen sind im Shop unzulässig. Ein Link darauf, ein Mouseover oder ein Popup reichen ebenfalls nicht — das Label muss zu sehen sein, ohne dass jemand klickt. - Keine Mindestgröße online, aber „gut erkennbar”. Im stationären Handel und bei Angeboten per Mail gelten dagegen feste Maße.
- Sprache richtet sich nach der Shop-Sprache, nicht nach dem Lieferland. Die EU-Kommission stellt die Dateien kostenlos in allen 24 Amtssprachen bereit, als Vektor und als Pixelbild.
- Keine Übergangsfrist, keine Ausnahme für Kleinunternehmer. Auch Altbestände und bereits eingestellte Artikel sind ab dem Stichtag betroffen.
Nicht betroffen sind reiner B2B-Handel, rein digitale Inhalte und Dienstleistungen sowie reine Präsentationsseiten ohne Bestellmöglichkeit.
Das Bild oben zeigt die deutsche Fassung — genau diese Grafik muss ab dem Stichtag in Ihrem Bestellprozess auftauchen. Die Datei bekommen Sie kostenlos direkt bei der EU-Kommission oder — bequemer, weil ohne Suche im Anhangsdschungel — als fertige deutsche PNG-Datei bei der IT-Recht Kanzlei. Wer den Rechtsrahmen im Detail nachlesen will, findet dort auch die ausführliche Erläuterung der Pflicht.
Wo es hingehört — und wo nicht
Beim Gewährleistungslabel haben Sie eine echte Wahl:
- auf jeder Artikeldetailseite, oder
- zentral im Warenkorb beziehungsweise im Checkout.
Wer Variante 2 wählt, platziert es oberhalb des Bestellbuttons. Nicht darunter, nicht im Footer, nicht auf einer verlinkten Infoseite. Maßgeblich ist, dass der Kunde es sieht, bevor er bestellt — das ist der ganze Zweck einer vorvertraglichen Informationspflicht.
Für kleinere Shops ist die Checkout-Variante der schnellere Weg: eine Stelle im Template statt Artikelseite, Artikelliste und Suchergebnis. Für Shops mit viel Direkteinstieg über Google spricht einiges für die Artikelseite, weil dort die Kaufentscheidung fällt.
Das Garantielabel ist eine andere Baustelle
Das zweite Label wird oft in einem Atemzug genannt, betrifft aber deutlich weniger Händler. Fällig wird es nur, wenn der Hersteller eine kostenlose Haltbarkeitsgarantie für die gesamte Ware und für mehr als zwei Jahre gewährt. Verlängerte Garantien gegen Aufpreis, Garantien auf Einzelteile oder die üblichen zwei Jahre lösen es nicht aus.
Wenn es fällig wird, ist es aber aufwendiger: Es muss personalisiert werden — Hersteller,
Modellbezeichnung, Garantiedauer — und gehört deshalb artikelgenau auf die Produktdetailseite.
Ein Sammelhinweis im Checkout funktioniert hier nicht, weil die Dauer von Artikel zu Artikel
verschieden ist. In JTL kommen diese Angaben aus drei Funktionsattributen der Wawi
(jtl_guarantee_years, jtl_guarantee_manufacturer, jtl_guarantee_model_identifier). Fehlt
eines davon, erscheint das Label nicht — im Zweifel also lieber vor dem Stichtag einmal
auswerten, bei wie vielen Artikeln die Pflege tatsächlich vollständig ist. Diese Sorte
Datenprüfung kennen Sie, wenn Sie
GPSR im großen Sortiment hinter sich haben:
Die Zahl der betroffenen Artikel ist fast immer eine andere als erwartet.
JTL-Shop 5.8 oder Child-Template?
Shop 5.8.0 kann beides von Haus aus: Grafiken liegen bei, im Backend lässt sich einstellen, in welchen Bereichen die Labels erscheinen, und die Garantiedaten kommen per Abgleich aus der Wawi. Wer bereits auf 5.8 ist oder ohnehin ein Update geplant hatte, macht genau das.
Für alle anderen sieht die Rechnung anders aus. Ein Beispiel aus dieser Woche: Ein Kundenshop
läuft auf 5.7.2, PHP 8.4, mit einem gepflegten Child-Template, in dem über die Jahre
einiges an Anpassungen gelandet ist — Pflegehinweis-Symbole auf der Detailseite,
Cookie-Banner, Footer-Anpassungen. Das Child deklariert in seiner template.xml als höchste
unterstützte Shop-Version noch 5.2.0; im Template-Ordner liegt zusätzlich ein Altbestand
aus Shop-4-Zeiten.
So ein Shop springt nicht an einem Nachmittag auf 5.8. Er kann es — aber mit Testinstanz, Template-Durchsicht, Plugin-Kompatibilität und einem Zeitfenster, in dem ein Rückweg existiert. Wer das am 26. September anfängt, hat am 27. weder Update noch Label.
Die saubere Trennung lautet deshalb:
- Pflicht zuerst, minimalinvasiv erfüllen. Label-Grafik in den Shop, an eine der beiden erlaubten Stellen. Das ist eine Stunde Arbeit inklusive Backup und Kontrolle.
- Update danach, in Ruhe. Auf 5.8 gehen, wenn Testlauf und Rückweg stehen — und dann die manuelle Einbindung wieder herausnehmen, damit das Label nicht doppelt erscheint. Zur Reihenfolge von Wawi, Worker, Connector und Shop habe ich hier ausführlich geschrieben.
Der minimalinvasive Weg, konkret
- Datei holen. Die deutsche Fassung der Gewährleistungsmitteilung von den Servern der EU-Kommission oder bei der IT-Recht Kanzlei herunterladen. SVG ist dem Pixelbild vorzuziehen — der QR-Code bleibt in jeder Größe scharf.
- Ins Child-Template legen, nicht ins Original-NOVA. Alles, was Sie in
NOVAändern, ist beim nächsten Shop-Update weg. - An genau einer Stelle einbinden — entweder in der Artikeldetailseite oder im Bestellvorgang oberhalb des Bestellbuttons, dort, wo auch Ihre übrigen Pflichthinweise stehen. Ein schlichtes Bild genügt, Breite über CSS begrenzen:
smarty
<img src="{$ShopURL}/templates/IhrChild/images/gewaehrleistung-de.svg"
alt="Gesetzliche Gewährleistung: mindestens zwei Jahre"
class="eu-gewaehrleistungslabel" width="320" loading="lazy">
- Cache leeren. Im JTL-Shop reicht der Objekt-Cache oft nicht — die kompilierten
Smarty-Templates unter
templates_c/gehören dazu. Wer das vergisst, sucht anschließend eine halbe Stunde nach einem Fehler, den es nicht gibt. - Nachsehen, im echten Shop. Desktop und Handy, mit vollem Warenkorb bis zur letzten Seite vor dem Bestellbutton. Bei aktivem Consent-Banner zusätzlich prüfen, ob das Label nicht hinter einem Overlay verschwindet — dieselbe Falle wie bei den Skripten vor der Einwilligung.
Wer kein Template anfassen will: Im JTL Extension Store gibt es inzwischen mehrere Plugins, die beide Labels auch in älteren Shop-5-Versionen ausspielen, teils mit Zusatzfunktionen wie Artikelausschlüssen. Für viele Shops ist das der pragmatischere Weg.
Die fünf Fehler, die ich erwarte
Das Label als Link oder Popup. Sehr verlockend, spart Platz im Layout — und ist genau die Darstellung, die die Verordnung für das Gewährleistungslabel nicht vorsieht.
Schwarz-weiß, weil es besser zum Design passt. Die Farben sind vorgegeben. Ein Graustufen-Label ist kein dezentes Label, sondern keines.
Nur im Shop denken. Verkaufen Sie auch über eBay, Amazon, Kleinanzeigen oder per Angebotsmail, gilt die Pflicht dort genauso. Wie die Plattformen das technisch lösen, ist teilweise noch offen — das ist ein Grund, es zu beobachten, kein Grund, es zu ignorieren.
Auf den Rechtstext-Dienstleister warten. Die Schnittstellen der Anbieter übertragen Texte, keine Grafiken an definierten Stellen im Bestellprozess. Die Datei bekommen Sie dort, den Einbau nicht.
Das Update mit der Pflicht verwechseln. Shop 5.8 ist der bequeme Weg zum Label, aber nicht der einzige. Und ein Major-Update unter Zeitdruck ist in meiner Erfahrung die zuverlässigste Methode, sich am Stichtag ein zweites Problem zu bauen.
Was ich Kunden derzeit empfehle
Erst prüfen, ob überhaupt B2C verkauft wird — bei reinen Großhandelsshops erledigt sich das Thema. Dann entscheiden, ob das Label auf die Artikelseite oder in den Checkout geht, und es dort einbauen, wo es beim nächsten Update nicht verloren geht. Beim Garantielabel vorher ehrlich zählen, ob überhaupt Artikel mit einer echten Haltbarkeitsgarantie über zwei Jahre im Sortiment sind; bei den meisten Händlern lautet die Antwort nein, und dann ist die Baustelle nach fünf Minuten geschlossen.
Und das Shop-Update bekommt einen eigenen Termin, im Oktober, mit Testinstanz. Zwei getrennte Aufgaben, zwei getrennte Risiken — statt eines Abends, an dem beides gleichzeitig schiefgehen kann.
Quellen und weiterführende Informationen
- IT-Recht Kanzlei: Gewährleistungslabel — wer ab 27.09.2026 betroffen ist und die FAQ zu Gewährleistungs- und Garantielabel
- Kostenloser Download der deutschen Label-Datei (IT-Recht Kanzlei)
- JTL-Software: Das Gewährleistungslabel in Shop 5.8
- Rechtsgrundlagen: Richtlinie (EU) 2024/825, Durchführungsverordnung (EU) 2025/1960, Art. 246 und Art. 246a EGBGB
Stand dieses Beitrags: 17.09.2026. Bei einem Thema mit Stichtag lohnt der Blick auf das Datum — was hier steht, ist der Kenntnisstand von heute, nicht der von übermorgen.
Wenn Sie dabei Unterstützung brauchen: Genau das ist Teil meiner JTL-Shop-Betreuung — Einbau, Kontrolle im Live-Shop und danach das Update in geordneter Reihenfolge.
Häufige Fragen
Ab wann gilt die Pflicht zum Gewährleistungslabel?
Ab dem 27. September 2026. Grundlage ist die EU-Richtlinie 2024/825 (EmpCo-Richtlinie), in Deutschland umgesetzt über die vorvertraglichen Informationspflichten in Art. 246 und Art. 246a EGBGB. Die Gestaltung der Labels regelt die Durchführungsverordnung (EU) 2025/1960. Eine Übergangsfrist gibt es nicht, auch nicht für Lagerbestände oder bereits eingestellte Artikel.
Wer braucht das Gewährleistungslabel?
Jeder Händler, der physische Waren an Verbraucher verkauft — unabhängig von Warenart, Unternehmensgröße und Kleinunternehmerstatus. Elektronik, Kleidung, Möbel, Lebensmittel, Neu- und Gebrauchtware fallen gleichermaßen darunter. Ausgenommen sind reiner B2B-Handel sowie rein digitale Inhalte und Dienstleistungen.
Wo muss das Gewährleistungslabel im Onlineshop stehen?
Wahlweise auf jeder Artikeldetailseite oder zentral im Warenkorb beziehungsweise im Checkout. Entscheidend ist, dass es vor der Bestellung sichtbar ist — im Checkout also oberhalb des Bestellbuttons, nicht darunter und nicht im Footer. Es muss direkt als farbige Grafik eingebunden sein; ein Link, ein Mouseover oder ein Popup genügt nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Gewährleistungslabel und Garantielabel?
Das Gewährleistungslabel informiert über die gesetzlichen Mängelrechte und ist bei praktisch jedem Verkauf an Verbraucher Pflicht. Es enthält keine produktspezifischen Daten, deshalb reicht ein einziges Label für das gesamte Sortiment. Das Garantielabel wird nur fällig, wenn der Hersteller eine kostenlose Haltbarkeitsgarantie für die gesamte Ware und für mehr als zwei Jahre gewährt. Es muss personalisiert werden — mit Hersteller, Modellbezeichnung und Garantiedauer — und gehört deshalb artikelgenau auf die Produktdetailseite.
Kann JTL-Shop das Gewährleistungslabel selbst ausgeben?
Ja, ab JTL-Shop 5.8.0. Dort sind beide Labels eingebaut, die Grafiken liegen bei und im Backend lässt sich einstellen, in welchen Bereichen sie erscheinen — Artikelliste, Detailseite, Checkout. Die Garantiedaten kommen per Abgleich aus den Wawi-Funktionsattributen. Für ältere Shop-5-Versionen gibt es keinen Backport; dort hilft ein Plugin aus dem Extension Store oder der Einbau ins Child-Template.
Reicht mein Rechtstext-Dienstleister für die Umsetzung?
Nein. Schnittstellen von Rechtstext-Anbietern übertragen AGB, Widerrufsbelehrung und Datenschutzerklärung — also Texte. Das Gewährleistungslabel ist eine Grafik an einer bestimmten Stelle im Bestellprozess und kommt über diese Schnittstellen nicht automatisch in den Shop. Die Datei bekommen Sie dort, den Einbau macht sie niemand.