Datenprojekte scheitern selten an der Technik. Sie scheitern daran, dass niemand vorher hineingesehen hat.
Der Satz, den ich am häufigsten höre, lautet sinngemäß: „Unsere Artikeldaten sind eigentlich gepflegt.” Der Auszug zeigt dann Gewichtsangaben in drei verschiedenen Einheiten, Herstellernamen in fünf Schreibweisen und ein Merkmalsfeld, das vor drei Jahren für etwas anderes zweckentfremdet wurde und seitdem beides enthält.
Das ist kein Vorwurf, das ist der Normalzustand gewachsener Sortimente. Aber es ist der Grund, warum ich vor jedem Angebot einen echten Datenauszug sehen will statt einer Beschreibung.
Migration: das Protokoll ist wichtiger als der Import
Beim Systemwechsel bekommt fast jeder das Hineinschreiben hin. Der Unterschied zeigt sich drei Monate später, wenn jemand fragt, warum bei einer Artikelgruppe der Einkaufspreis fehlt.
Ohne Protokoll lässt sich das nicht mehr klären. Mit Protokoll steht dort, dass diese Artikel im Altsystem kein befülltes Preisfeld hatten und deshalb in der Ausnahmeliste gelandet sind — mit Datum und Anzahl.
Deshalb ist meine Reihenfolge immer dieselbe: Zuordnung schriftlich festlegen, von Ihnen freigeben lassen, Probelauf auf einem Ausschnitt, Prüfung an echten Artikeln, dann der vollständige Lauf. Und in jedem Fall bleibt das Altsystem bestehen, bis das neue nachweislich trägt.
Lieferantendaten: aus Rohlisten werden Artikel
Der zweite große Block sind Lieferantenlisten. Eine Datei mit 40.000 Zeilen, in der Preise, Bestände und ein paar Attribute stehen — und daraus sollen verkäufliche Artikel werden.
Die Arbeit steckt in den Zwischenschritten, die niemand im Angebot sieht: Einheiten vereinheitlichen, Staffelpreise auflösen, Dubletten über verschiedene Schreibweisen erkennen, Aufschlagslogik anwenden, fehlende Kategorien zuordnen. Und schließlich die Frage, was mit Artikeln passiert, die diesmal nicht mehr in der Liste stehen — die verschwinden nämlich nicht, die müssen aktiv auf ausgelistet gesetzt werden.
Große Sortimente ohne Handarbeit
Bei mehreren tausend Artikeln lassen sich Beschreibungen und Merkmale nicht mehr von Hand pflegen. Ich arbeite hier mit generierter Ergänzung auf Basis der vorhandenen Daten, aber nach zwei festen Regeln.
Erstens läuft nichts ungeprüft ins Livesystem. Eine automatische Erzeugung, die direkt schreibt, verteilt Fehler in Sekunden über das ganze Sortiment. Zweitens wird stichprobenartig kontrolliert, und bei rechtlich relevanten Angaben enger als bei Fließtext.
Das ist langsamer als der Knopf, der alles auf einmal macht. Es ist aber der Unterschied zwischen einem Sortiment, das verkauft, und einem, das man hinterher wieder aufräumen muss.