JTL-WMS einführen, ohne den laufenden Versand lahmzulegen

Lagerplätze, Kommissionierung, Wareneingang — erst der Prozess, dann die Software.

Manuel Uhrig, Inhaber UHRIG Solutions ·Deutschlandweit & remote ·Stand 12. August 2026
Passt, wenn …

Ihr Versand wächst, und das Finden dauert länger als das Packen. Sie überlegen, JTL-WMS einzuführen, oder Sie haben es eingeführt und es macht die Arbeit gerade eher langsamer als schneller.

Passt nicht, wenn …

Sie versenden weniger als etwa zehn Pakete am Tag aus einem überschaubaren Raum. Dann bringt Ihnen ein WMS mehr Verwaltung als Nutzen, und ich sage Ihnen das lieber jetzt als nach der Einführung.

Was konkret dazugehört

Lagerplatzstruktur

Eine Benennung, die man im Regal wiederfindet und die beim nächsten Regalanbau nicht auseinanderfällt. Das ist die Entscheidung mit der längsten Halbwertszeit im ganzen Projekt.

Wareneingang

Vom Anliefern bis zum eingelagerten, buchbaren Bestand — mit Prüfschritt, damit Fehlmengen beim Lieferanten auffallen und nicht erst beim Kommissionieren.

Kommissionierung

Pickstrecken, die dem Regal folgen statt der Auftragsnummer. Einzel- und Sammelaufträge getrennt betrachtet, weil sie unterschiedliche Wege brauchen.

Scanner und Hardware

Auswahl und Einrichtung der Handgeräte, WLAN-Ausleuchtung im Lager, Etikettendrucker. Ein Scanner mit Funkloch an der Packstation kostet jeden Tag Zeit.

Inventur

Permanente Inventur statt Jahresstillstand, mit Stichprobenlogik und nachvollziehbaren Differenzprotokollen.

Einweisung

Schulung der Leute, die tatsächlich packen — nicht nur der Geschäftsführung. Ein WMS scheitert im Lager, nicht im Büro.

Ich habe über eine Million Artikel selbst versendet, bevor ich angefangen habe, andere beim Lager zu beraten. Diese Reihenfolge prägt, worauf ich achte: Ein WMS macht ein gutes Lager schneller und ein unsortiertes Lager teurer.

Der Prozess kommt vor der Software

Der häufigste Fehler bei WMS-Projekten ist, dass zuerst die Software eingeführt und danach überlegt wird, wie eigentlich gearbeitet werden soll. Das Ergebnis ist ein System, das einen unklaren Ablauf sauber protokolliert.

Deshalb frage ich am Anfang Dinge, die nichts mit JTL zu tun haben: Wer packt? Wie viele Positionen hat ein durchschnittlicher Auftrag? Wo liegt die Ware, die täglich rausgeht, und wo die, die zweimal im Jahr jemand bestellt? Aus diesen Antworten ergibt sich die Lagerstruktur — und aus der ergibt sich die Konfiguration.

Die Lagerplatzbenennung überlebt alles andere

Die Benennung der Lagerplätze ist die Entscheidung, die man am schwersten wieder zurücknimmt. Sie steht auf tausenden Etiketten, sie steckt im Kopf jedes Mitarbeiters, und sie taucht in jedem Protokoll der nächsten Jahre auf.

Zwei Regeln, die sich in der Praxis bewährt haben: Die Benennung muss der Laufrichtung folgen, damit die Pickliste eine sinnvolle Reihenfolge ergibt. Und sie muss Platz für Erweiterung lassen — wer die Regale von 1 bis 40 durchnummeriert, hat ein Problem, sobald ein Regal dazwischenkommt.

Kommissionierung: der Weg ist die Kostenstelle

Beim Kommissionieren wird nicht das Greifen bezahlt, sondern das Laufen. Eine Pickliste, die dem Auftrag folgt statt dem Regal, schickt Leute quer durch die Halle und wieder zurück.

Sinnvoll ist deshalb, Aufträge nach Wegstrecke zu sortieren und Einzelpositionsaufträge — in vielen Shops die Mehrheit — von den mehrzeiligen zu trennen. Beide brauchen einen anderen Weg durchs Lager. Wer das trennt, spart mehr als durch jedes zusätzliche Softwaremodul.

Was ich Ihnen nicht verkaufe

Wenn Sie zehn Pakete am Tag aus einem Raum versenden, in dem Sie jeden Artikel blind finden, brauchen Sie kein WMS. Sie brauchen vielleicht bessere Etiketten und ein Regal mehr. Das kostet mich einen Auftrag und Ihnen erspart es eine Software, die täglich Aufwand erzeugt, ohne Zeit einzusparen.

Wie das abläuft

  1. 01
    Lager ansehen

    Möglichst vor Ort. Wie das Lager tatsächlich benutzt wird, sieht man nicht in der Datenbank, sondern an abgelaufenen Wegen und improvisierten Zwischenablagen.

  2. 02
    Prozess festlegen

    Erst wird der Ablauf beschrieben, dann wird konfiguriert. Software, die einen unklaren Prozess abbildet, macht ihn nur schneller unklar.

  3. 03
    Struktur aufbauen

    Lagerplätze anlegen, etikettieren, Bestände einbuchen. Das ist der körperliche Teil und der, den man nicht überspringen kann.

  4. 04
    Parallelbetrieb

    Der Umstieg läuft nicht über Nacht, sondern schrittweise — meist beginnend mit einem Teilbereich, während der Rest normal weiterläuft.

Häufige Fragen

Ab wann lohnt sich JTL-WMS?

Als grober Anhaltspunkt: ab etwa 20 bis 30 Paketen am Tag oder sobald mehr als eine Person im Lager arbeitet. Der eigentliche Auslöser ist aber weniger die Stückzahl als die Suchzeit. Wenn das Finden eines Artikels regelmäßig länger dauert als das Packen, oder wenn nur eine bestimmte Person weiß, wo etwas liegt, dann ist der Punkt erreicht.

Wie lange dauert eine WMS-Einführung?

Der Software-Teil ist in wenigen Tagen gemacht. Die Zeit geht für das Physische drauf: Lagerplätze festlegen, etikettieren, Bestände einbuchen und die Leute einarbeiten. Bei einem kleinen Lager sind das ein bis zwei Wochen im Parallelbetrieb, bei einem gewachsenen Lager mit unklaren Beständen deutlich mehr. Wer Ihnen drei Tage verspricht, hat das Einbuchen nicht mitgerechnet.

Können wir während der Einführung normal weiter versenden?

Ja, und das ist auch der einzige Weg, den ich empfehle. Ein Lager stillzulegen, um es umzustellen, geht bei den wenigsten Händlern. Deshalb läuft die Umstellung bereichsweise — ein Teil des Sortiments zuerst, der Rest folgt, wenn der erste Teil sauber läuft.

Brauchen wir spezielle Hardware?

Sie brauchen Handscanner, einen Etikettendrucker und stabiles WLAN bis in die letzte Regalreihe. Bei der Auswahl gilt: Robustheit und Akkulaufzeit schlagen technische Daten. Und die WLAN-Ausleuchtung wird regelmäßig unterschätzt — ein Funkloch an der Packstation macht das beste System unbrauchbar.

Was passiert mit unseren Beständen, wenn sie heute schon nicht stimmen?

Dann ist die Einführung der richtige Zeitpunkt, sie in Ordnung zu bringen. Bestände werden beim Einlagern in die neue Struktur ohnehin angefasst — das ist praktisch eine Inventur, die sowieso stattfindet. Ich rate davon ab, falsche Bestände in ein neues System zu übernehmen und dort weiter zu pflegen.

Weitere Leistungen

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Kurzer Anruf, ehrliche Einschätzung, kein Vertriebsgerede. Ich sage Ihnen auch, wenn ich der Falsche bin.