Ich habe über eine Million Artikel selbst versendet, bevor ich angefangen habe, andere beim Lager zu beraten. Diese Reihenfolge prägt, worauf ich achte: Ein WMS macht ein gutes Lager schneller und ein unsortiertes Lager teurer.
Der Prozess kommt vor der Software
Der häufigste Fehler bei WMS-Projekten ist, dass zuerst die Software eingeführt und danach überlegt wird, wie eigentlich gearbeitet werden soll. Das Ergebnis ist ein System, das einen unklaren Ablauf sauber protokolliert.
Deshalb frage ich am Anfang Dinge, die nichts mit JTL zu tun haben: Wer packt? Wie viele Positionen hat ein durchschnittlicher Auftrag? Wo liegt die Ware, die täglich rausgeht, und wo die, die zweimal im Jahr jemand bestellt? Aus diesen Antworten ergibt sich die Lagerstruktur — und aus der ergibt sich die Konfiguration.
Die Lagerplatzbenennung überlebt alles andere
Die Benennung der Lagerplätze ist die Entscheidung, die man am schwersten wieder zurücknimmt. Sie steht auf tausenden Etiketten, sie steckt im Kopf jedes Mitarbeiters, und sie taucht in jedem Protokoll der nächsten Jahre auf.
Zwei Regeln, die sich in der Praxis bewährt haben: Die Benennung muss der Laufrichtung folgen, damit die Pickliste eine sinnvolle Reihenfolge ergibt. Und sie muss Platz für Erweiterung lassen — wer die Regale von 1 bis 40 durchnummeriert, hat ein Problem, sobald ein Regal dazwischenkommt.
Kommissionierung: der Weg ist die Kostenstelle
Beim Kommissionieren wird nicht das Greifen bezahlt, sondern das Laufen. Eine Pickliste, die dem Auftrag folgt statt dem Regal, schickt Leute quer durch die Halle und wieder zurück.
Sinnvoll ist deshalb, Aufträge nach Wegstrecke zu sortieren und Einzelpositionsaufträge — in vielen Shops die Mehrheit — von den mehrzeiligen zu trennen. Beide brauchen einen anderen Weg durchs Lager. Wer das trennt, spart mehr als durch jedes zusätzliche Softwaremodul.
Was ich Ihnen nicht verkaufe
Wenn Sie zehn Pakete am Tag aus einem Raum versenden, in dem Sie jeden Artikel blind finden, brauchen Sie kein WMS. Sie brauchen vielleicht bessere Etiketten und ein Regal mehr. Das kostet mich einen Auftrag und Ihnen erspart es eine Software, die täglich Aufwand erzeugt, ohne Zeit einzusparen.