JTL-Wawi

JTL-Wawi 2.0: Was Sie klären sollten, bevor Sie das Update starten

Der Sprung auf .NET 8 ist der unauffälligste Teil. Zeit kostet etwas anderes — und ein Rechtefehler stoppt das Update, bevor es begonnen hat.

Serverraum mit einem Bildschirm, auf dem ein Installationsfortschritt läuft
Das Update selbst dauert eine Stunde. Die Vorbereitung entscheidet, ob es dabei bleibt.

JTL-Wawi 2.0 ist seit dem 17. März 2026 als stabile Version verfügbar. Technisch steht dahinter ein Wechsel auf .NET 8, ein neues Versionsschema nach dem Muster MAJOR.MINOR.PATCH und die Grundlage für die angekündigten Cloud-Funktionen. JTL nennt bis zu dreißig Prozent mehr Tempo bei datenintensiven Vorgängen.

Das klingt nach einem Update, das man an einem Nachmittag einspielt. In der Praxis entscheidet die Vorbereitung darüber, ob es dabei bleibt.

Der Teil, der wirklich Zeit kostet: die Versandschnittstellen

Die wichtigste Nachricht steckt nicht in der Funktionsliste, sondern in einem Nebensatz: DHL und DPD stellen ihre bisherigen Schnittstellen ein. Wer versendet, muss auf DHL Versenden 4.0 wechseln — laut JTL in der Regel mit denselben Zugangsdaten wie zuvor.

„In der Regel” ist dabei das Wort, auf das es ankommt. In der Praxis hängen an einer Versandanbindung mehr Details, als die Umstellung vermuten lässt: Produkte und Services, die neu zugeordnet werden müssen. Retourenscheine. Länderspezifische Einstellungen. Gedruckte Layouts, die auf bestimmte Felder zugreifen.

Meine Empfehlung: Behandeln Sie die Versandumstellung als eigenes Projekt, nicht als Anhängsel des Wawi-Updates. Erst umstellen, ein paar Tage im Alltag prüfen, dann das Update angehen — oder umgekehrt, aber nicht beides in derselben Nacht.

Versandtisch mit Paketen und Etikettendrucker bei Nacht
Die Versandumstellung ist kein Anhaengsel des Updates, sondern ein eigenes Projekt.

Der Rechtefehler, der Updates reihenweise stoppt

Ein Klassiker, der bei jedem größeren Wawi-Update auftaucht und trotzdem jedes Mal überrascht: Das Update bricht ab, weil im Verlauf eine Datenbank angelegt werden soll und der Datenbankbenutzer das nicht darf.

Die Meldung dreht sich um CREATE DATABASE und wird häufig als Lizenz- oder Editionsproblem gedeutet — man sucht dann an der falschen Stelle. Die Ursache ist die fehlende Serverrolle dbcreator für den Benutzer, mit dem die Wawi arbeitet.

Setzen lässt sich das im SQL Server Management Studio über die Eigenschaften des Anmeldenamens unter Serverrollen, oder per SQL:

ALTER SERVER ROLE dbcreator ADD MEMBER [eazybusiness_user];

Wenn Sie mehrere Instanzen betreiben, prüfen Sie das vor dem Update auf allen — nicht nur auf der, an die Sie zuerst denken.

Die Reihenfolge, mit der ich arbeite

  1. Vollständige Sicherung, und zwar geprüft. Nicht „das Backup läuft”, sondern eine Sicherung, von der Sie wissen, dass sie sich zurückspielen lässt. Warum das ein Unterschied ist, habe ich hier ausführlich beschrieben.
  2. Testinstanz mit einer Kopie der echten Datenbank. Nichts ersetzt einen Durchlauf mit den eigenen Daten. Genau dort fallen Eigenheiten auf, die in keiner Anleitung stehen.
  3. Rechte prüfen — dbcreator, und ob der Benutzer die nötigen Berechtigungen auf allen betroffenen Datenbanken hat.
  4. Nebensysteme inventarisieren. Worker, Connector zum Shop, Marktplatzanbindungen, Versandsoftware, angebundene Buchhaltung, eigene Skripte auf der Datenbank. Für jedes davon die Frage: Läuft es mit 2.0?
  5. Update einspielen — im Zeitfenster mit dem geringsten Betrieb, mit klarer Rückfallgrenze. Wenn es bis Uhrzeit X nicht läuft, wird zurückgespielt.
  6. Danach den Worker kontrollieren. Dass die Wawi startet, heißt nicht, dass im Hintergrund alles arbeitet. Was dabei schiefgehen kann und woran es meist liegt, steht im Beitrag zum Worker-Dienst.
  7. Zwei Tage bewusst hinsehen. Aufträge, Bestände, Rechnungslayouts, Versandetiketten, Shop-Abgleich. Die meisten Folgefehler zeigen sich im Alltag, nicht im Testlauf.

Was neu ist und wen es betrifft

Für Lagerbetriebe kamen mit 2.0 mehrere WMS-Funktionen dazu, unter anderem die Nachverfolgung von Paketinhalten beim Mehrpaketversand und ein modularer Packprozess am Versandtisch — beides in den höheren WMS-Editionen. Wenn Sie mit mehreren Paketen je Auftrag arbeiten, lohnt hier ein genauerer Blick.

Für die Belegarchivierung ist JTL-Archive angekündigt, befindet sich aber in einer geschlossenen Beta. Das ist damit ein Thema für die Planung, nicht für den Produktivbetrieb.

Shipping 2.0 ging in eine offene Beta. Auch hier gilt: nicht produktiv einsetzen, solange die Beta läuft, egal wie verlockend die neuen Funktionen aussehen.

Und wenn man ohnehin gerade alles hinterfragt

Ein Major-Update ist der Moment, in dem viele Händler kurz innehalten und sich fragen, ob das System überhaupt noch passt. Das ist eine legitime Frage — und ich beantworte sie nicht pauschal mit „bleiben Sie bei JTL”.

Woran sich die Entscheidung tatsächlich festmacht — Betriebsmodell, Kostenlogik, Migrationsaufwand — habe ich im Vergleich zwischen JTL und plentyONE mit Quellen aufgeschrieben, inklusive eines ehrlichen Abschnitts dazu, wann die andere Lösung die bessere ist.

In den meisten Fällen ist die Antwort allerdings unspektakulär: Das System passt, die Prozesse drumherum sind das Problem. Ein Update ändert daran nichts — aber es ist ein guter Anlass, beides einmal anzusehen.


Quellen: Release-Informationen zu JTL-Wawi 2.0 im JTL-Blog, Versionsübersicht. Abgerufen am 29.07.2026.

Häufige Fragen

Muss ich sofort auf JTL-Wawi 2.0 wechseln?

Sofort nicht, auf Dauer schon. Zwei Gründe sprechen für einen geplanten Termin statt für Abwarten: Die alten Versandschnittstellen von DHL und DPD werden eingestellt, und neue Funktionen erscheinen nur noch im 2er-Zweig. Wer wartet, wechselt später unter Zeitdruck.

Was bedeutet der Wechsel auf .NET 8 für meinen Server?

Für die meisten Installationen wenig — die benötigte Laufzeitumgebung bringt das Setup mit. Relevant wird es bei sehr alten Windows-Ständen und bei Terminalservern mit strengen Software-Freigaben. Prüfen Sie das vorher an einer Testinstallation, nicht am Produktivsystem.

Warum bricht mein Update mit einer Meldung über CREATE DATABASE ab?

Weil dem Datenbankbenutzer die Serverrolle dbcreator fehlt. Das Update legt im Verlauf eine Datenbank an; ohne dieses Recht bricht es ab. Die Meldung klingt oft nach einem Lizenz- oder Editionsproblem und führt deshalb in die falsche Richtung.

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