Ich habe die JTL-Wawi nicht auf einer Schulung kennengelernt, sondern weil ich sie für meinen eigenen Handel gebraucht habe. Seit 2016 laufen darüber eigene Shops, Marktplätze und Großhandel. Das prägt, wie ich arbeite: Ich weiß, welche Einstellungen im Alltag wehtun, und welche in der Dokumentation wichtig aussehen, aber praktisch niemanden stören.
Die drei Anlässe, aus denen Händler anrufen
Der Einstieg. Sie kommen von Excel, Afterbuy, Billbee oder DreamRobot und wollen auf JTL. Hier entscheidet sich viel, bevor der erste Artikel angelegt ist: Mandantenstruktur, Steuersätze, Artikelnummernlogik, Lagerstruktur. Das sind Entscheidungen, die man nach zwei Jahren nur noch mit Schmerzen korrigiert.
Der gewachsene Betrieb. Die Wawi läuft seit Jahren, aber es haben sich Workarounds angesammelt. Irgendjemand pflegt jeden Morgen eine Liste von Hand, weil ein Abgleich mal nicht funktioniert hat. Der Worker läuft auf dem Rechner der Buchhaltung. Niemand traut sich an ein Update. Hier geht es nicht um Neubau, sondern ums Aufräumen.
Der Ausfall. Etwas funktioniert nicht mehr, und die Suche im Forum hat nicht geholfen. Bestände laufen auseinander, der Shop-Abgleich hängt, Aufträge kommen doppelt herein.
Wie ich an Fehler herangehe
Bei Störungen halte ich mich an eine simple Regel, die mir viel Zeit spart: erst messen, dann anfassen. Die naheliegende Erklärung ist überraschend oft die falsche.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Händler meldete, ein Lieferant liefere „keinen Bestand mehr”. Die Vermutung lag beim Lieferanten. Tatsächlich lag es an einem Filter, der Wochen vorher gesetzt und längst vergessen worden war. Hätte ich beim Lieferanten angefangen, wäre ein Tag verloren gewesen.
Deshalb schaue ich zuerst in Protokolle, Abgleichzeiten und tatsächliche Datenstände, bevor ich eine These aufstelle. Das dauert am Anfang länger und am Ende deutlich kürzer.
Was ich bewusst nicht mache
Ich verkaufe keine Lizenzen, an denen ich mitverdiene, und empfehle keine Plugins, weil ich eine Provision dafür bekomme. Wenn der Standard reicht, sage ich das — auch wenn eine Erweiterung den Auftrag größer machen würde.
Und ich baue keine Konstruktion, die nur ich verstehe. Wenn ich einen Workflow anlege, bekommen Sie dazu, was er tut und woran Sie merken, dass er nicht mehr tut. Ein Dienstleister, den man nicht mehr loswird, weil niemand sonst durch das System steigt, ist kein guter Dienstleister.