Die Frage „Welches System soll ich nehmen?” wird meistens als Geschmacksfrage gestellt und ist in Wirklichkeit eine Frage nach dem Datenfluss.
Ein Shop ist selten ein alleinstehendes Ding. Artikel kommen von irgendwoher — aus einer Warenwirtschaft, von einem Lieferanten, aus einer Tabelle. Aufträge müssen irgendwohin — in die Buchhaltung, ins Lager, zum Versanddienstleister. Der Shop ist das Stück in der Mitte. Wer ihn ohne die beiden Enden auswählt, baut sich ein Anschlussproblem.
Die drei Wege und wann sie passen
JTL-Shop, wenn Sie ohnehin mit JTL-Wawi arbeiten. Der Abgleich ist Teil des Systems, nicht ein Plugin, das man pflegen muss. Der Preis dafür ist, dass Sie sich um Hosting, Updates und Sicherheit selbst kümmern — oder jemanden dafür haben.
Shopify, wenn Sie überschaubar viele Produkte verkaufen, kein Warenwirtschaftssystem im Hintergrund haben und sich um Betrieb und Updates nicht kümmern wollen. Sie mieten Bequemlichkeit und zahlen sie über die monatliche Gebühr und die Transaktionskosten.
WordPress mit WooCommerce, wenn Inhalt genauso wichtig ist wie der Verkauf — also bei Beratungsprodukten, erklärungsbedürftigen Artikeln oder wenn ein Blog tragender Teil der Kundengewinnung ist.
Und wenn nichts davon passt, weil Sie Konfiguratoren, ungewöhnliche Kalkulationen oder B2B-Preislogik brauchen, wird es eine eigene Programmierung. Das ist die teuerste Variante und deshalb die, zu der ich zuletzt rate.
Was ich Ihnen vom Wechsel abrate
Ein Systemwechsel kostet mehr als das Angebot dafür. Es kommen dazu: Migration der Daten, Einarbeitung Ihrer Leute, neue Fehlerquellen in den ersten Wochen und fast immer eine vorübergehende Delle bei der Sichtbarkeit in Suchmaschinen, weil sich URLs ändern.
Wenn Ihr Shop nur nicht mehr zeitgemäß aussieht, aber technisch funktioniert und sauber abgleicht, dann ist ein neues Template die ehrlichere Empfehlung. Ich habe schon Kunden von einem Wechsel abgeraten und stattdessen zwei Tage in ein Child-Template gesteckt.
Der Punkt, an dem Projekte wirklich hängen
Nach meiner Erfahrung wird kaum ein Shopprojekt von der Programmierung ausgebremst. Was Projekte verzögert, sind Inhalte: fehlende Produktfotos, unfertige Beschreibungen, Rechtstexte, die noch beim Anwalt liegen, und Entscheidungen, die niemand treffen will.
Deshalb frage ich beim Start immer als Erstes danach — nicht nach Wunschfarben. Wenn zum Termin die Bilder da sind, wird der Termin gehalten.