JTL vs. plentyONE: Welches System passt zu Ihrem Handel?

Zwei ausgewachsene Systeme für Multichannel-Händler — mit grundverschiedenem Betriebsmodell. Der Vergleich mit Quellen, aus der Sicht von jemandem, der beide Welten aufsetzt.

Stand 28. Juli 2026 ·Manuel Uhrig, Inhaber UHRIG Solutions ·4 Min.
Rechenzentrums-Korridor, der sich in zwei Gaenge teilt - links warmes, rechts kaltes Licht
Zwei Wege, dieselbe Aufgabe: Der Unterschied liegt im Betriebsmodell, nicht in der Funktionsliste.
Für wen JTL die bessere Wahl ist

Wenn Sie Ihre Daten und Ihren Betrieb selbst in der Hand haben wollen, mit wachsendem Auftragsvolumen kalkulierbar bleiben möchten und Lagerprozesse ernsthaft abbilden — vom Wareneingang über die Kommissionierung bis zum Versand. Auch dann, wenn Sie klein anfangen: Die Einstiegsedition kostet nichts, und Sie zahlen erst, wenn das Geschäft es hergibt.

Für wen plentyONE die bessere Wahl ist

Wenn Sie bewusst keine eigene Infrastruktur betreiben wollen, kein Windows im Haus haben oder das Team ortsunabhängig aus dem Browser arbeiten soll. Wer den Administrationsaufwand vollständig auslagern möchte und mit einem umsatzabhängigen Preismodell leben kann, ist dort gut aufgehoben.

Die Systeme Zeile für Zeile

Kriterium JTL plentyONE
Betriebsmodell Windows-Anwendung mit eigener Microsoft-SQL-Datenbank — lokal, auf eigenem Server oder gehostet. Quelle Reine Cloud-Plattform, Bedienung im Browser, keine Installation. Quelle
Kostenloser Einstieg JTL Start: ab 0 € / Monat, unbegrenzte Nutzer, bis 500 Artikel. Quelle Kein dauerhaft kostenloser Tarif; Einstieg mit Lite ab 59 € / Monat. Quelle
Preisstufen Start ab 0 €, Advanced ab 119 €, Pro ab 369 €, Enterprise auf Anfrage (je Monat). Quelle Lite ab 59 €, Lite+ ab 99 €, Expand ab 149 €, Scale ab 229 €, Ultimate auf Anfrage (je Monat). Quelle
Abrechnung nach Volumen Marktplatzaufträge über separate Auftragspakete: 100 Aufträge 25 €, 2.500 Aufträge 259 €, 10.000 Aufträge 699 € pro Monat, darüber je Auftrag ab 0,11 €. Quelle Umsatzgrenzen je Tarif: bis 50.000 € Monatsumsatz (Lite, Lite+), bis 200.000 € (Expand, Scale); darüber greift eine GMV-Zusatzgebühr. Quelle
Nutzer im Tarif Unbegrenzte Nutzer bereits in der kostenlosen Start-Edition. Quelle 5 bis 40 Nutzerkonten je nach Tarif, unbegrenzt erst im Ultimate-Tarif. Quelle
Artikel- bzw. Variantengrenzen Start bis 500 Artikel; ab Advanced unbegrenzte Shop-Artikel. Quelle 1.000 bis 25.000 Varianten je nach Tarif, 150.000 im Ultimate-Tarif. Quelle
Marktplatzanbindungen Über 30 native Anbindungen (Herstellerangabe JTL). Quelle 5 bis 25 Anbindungen je nach Tarif, 150+ im Ultimate-Tarif. Quelle
Datenbank und Datenhaltung Eigene Microsoft-SQL-Datenbank (SQL Server 2016 bis 2022); Azure SQL und Shared-SQL-Instanzen werden nicht unterstützt. Quelle Daten liegen in der Cloud-Plattform des Anbieters. Quelle

Alle Angaben mit Stand 28. Juli 2026 aus den verlinkten öffentlichen Quellen. Preise und Funktionsumfang ändern sich — im Zweifel beim jeweiligen Anbieter prüfen. Fehler bitte an info@uhrig-solutions.de, ich korrigiere sie.

Beide Systeme lösen dieselbe Aufgabe: Artikel pflegen, Bestände führen, auf mehreren Kanälen verkaufen, Aufträge abwickeln. Trotzdem führt der übliche Funktionsvergleich in die Irre, weil er die eine Frage überspringt, an der sich alles andere entscheidet — wer den Betrieb verantwortet.

Der eigentliche Unterschied: Betriebsmodell

plentyONE ist eine reine Cloud-Plattform. Sie melden sich im Browser an, es gibt nichts zu installieren, und der Anbieter kümmert sich um Updates, Verfügbarkeit und Datenbank.

JTL-Wawi ist eine Windows-Anwendung, die auf einer Microsoft-SQL-Datenbank arbeitet. Diese Datenbank läuft irgendwo — auf einem Arbeitsplatzrechner, einem Server im Büro oder bei einem Hoster. Jemand muss sie sichern, aktualisieren und im Blick behalten.

Kleiner Serverschrank in einem Bueroraum neben Aktenschraenken
Eigener Betrieb heisst: Die Datenbank steht irgendwo, und jemand ist dafuer zustaendig.

Daraus folgt fast alles Weitere. Cloud heißt: weniger Verantwortung, weniger Eingriffsmöglichkeit, und Sie zahlen dauerhaft für den Betrieb mit. Eigener Betrieb heißt: mehr Verantwortung, volle Kontrolle über Daten und Zeitpunkte — und die Möglichkeit, klein und günstig anzufangen.

Wie die Kosten mit Ihnen wachsen

Hier liegt der praktisch wichtigste Unterschied, und er ist in keiner Funktionsliste zu sehen: Die beiden Systeme rechnen nach völlig verschiedenen Größen ab.

plentyONE staffelt nach Monatsumsatz. Die Einstiegstarife decken bis zu 50.000 Euro Umsatz im Monat ab, die mittleren bis 200.000 Euro; wer darüber liegt, zahlt eine Zusatzgebühr auf das Umsatzvolumen.

JTL staffelt nach Editionen und rechnet die Menge der Marktplatzaufträge über separate Pakete ab — 100 Aufträge kosten 25 Euro im Monat, 10.000 Aufträge 699 Euro, darüber wird je Auftrag abgerechnet.

Rechenmaschine und gestapelte Ausdrucke auf dunklem Schreibtisch
Der Preisvergleich entscheidet sich an vier Zahlen aus Ihrer eigenen Historie - nicht am Einstiegspreis.

Was das bedeutet, hängt an Ihrem durchschnittlichen Warenkorb. Ein Händler mit hochpreisigen Artikeln macht viel Umsatz bei wenigen Aufträgen — der fährt mit einer auftragsbasierten Abrechnung günstiger. Wer viele kleine Bestellungen abwickelt, hat das umgekehrte Bild. Rechnen Sie beide Modelle einmal mit Ihren echten Zahlen der letzten zwölf Monate durch, bevor Sie Listenpreise vergleichen.

Was ein Wechsel praktisch bedeutet

Das ist der Teil, den Vergleichsseiten üblicherweise auslassen, weil er unbequem ist.

Stammdaten sind das kleinere Problem. Artikel, Varianten, Kunden, Lieferanten — das lässt sich exportieren und importieren. Es ist Fleißarbeit, aber sie ist planbar.

Umzugskartons mit Aktenordnern in einem Serverraum
Stammdaten sind Fleissarbeit. Teuer wird, was ueber Jahre gewachsen ist.

Teuer wird alles, was gewachsen ist. Die Zuordnung Ihrer Artikel zu Marktplatzkategorien und deren Pflichtmerkmalen. Individuelle Workflows, die über Jahre entstanden sind und die niemand mehr vollständig im Kopf hat. Die Auftragshistorie, die Sie für Gewährleistung und Buchhaltung brauchen. Angebundene Drittsysteme — Buchhaltung, Versanddienstleister, Zahlungsanbieter.

Rechnen Sie mit einer Parallelphase. In der Praxis läuft für einige Wochen beides nebeneinander, weil offene Aufträge im alten System auslaufen, während neue schon im neuen entstehen. Wer diese Phase nicht einplant, bekommt genau dort seine Bestandsdifferenzen.

Meine Erfahrung aus solchen Projekten: Der Systemwechsel selbst ist selten das Risiko. Das Risiko liegt in den Prozessen, die vorher niemand aufgeschrieben hat.

Wann plentyONE die bessere Wahl ist

Ich verkaufe keine JTL-Systeme an Leute, denen sie nicht helfen. Es gibt klare Fälle, in denen die Cloud-Plattform die vernünftigere Entscheidung ist:

Wann JTL die bessere Wahl ist

Wie Sie sauber entscheiden

  1. Zwölf Monate rückwärts rechnen. Aufträge pro Monat, Umsatz pro Monat, Artikelanzahl, Nutzer. Diese vier Zahlen entscheiden den Preisvergleich — nicht die Startpreise.
  2. Prozesse aufschreiben, bevor Sie Software ansehen. Was passiert bei einer Retoure? Wer legt Artikel an? Wie kommen Bestellungen in die Buchhaltung? Wer das nicht beantworten kann, wählt am Bedarf vorbei.
  3. Betriebsfrage ehrlich beantworten. Gibt es jemanden, der sich um Server und Backups kümmert — intern oder extern? Wenn nein, ist das ein starkes Argument für die Cloud, unabhängig vom Preis.
  4. Kostenlos testen. Die JTL-Einstiegsedition kostet nichts, plentyONE bietet Beratungsgespräche an. Ein halber Tag im echten System sagt mehr als jede Vergleichstabelle — auch mehr als diese hier.

Häufige Fragen

Ist JTL-Wawi wirklich kostenlos?

Die Edition JTL Start kostet 0 Euro pro Monat und erlaubt unbegrenzt viele Nutzer, ist aber auf 500 Artikel begrenzt. Wer darüber hinauswächst oder Marktplatzaufträge abwickelt, zahlt für die höhere Edition beziehungsweise für Auftragspakete. Stand 28.07.2026 laut Preisseite von JTL.

Brauche ich für JTL einen eigenen Server?

Nicht zwingend. JTL-Wawi ist eine Windows-Anwendung mit einer Microsoft-SQL-Datenbank; die kann auf einem einzelnen Arbeitsplatz, auf einem Server im Haus oder bei einem Hoster laufen. Azure-SQL-Datenbanken und geteilte SQL-Instanzen werden laut Hersteller nicht unterstützt.

Kann ich von plentyONE zu JTL wechseln, ohne meine Historie zu verlieren?

Stammdaten wie Artikel, Varianten, Kunden und Lieferanten lassen sich übernehmen. Bei Auftragshistorie, gewachsenen Marktplatzzuordnungen und individuellen Workflows ist der Aufwand höher — das ist der Teil, der einen Wechsel wirklich Zeit kostet und den man vorher durchrechnen sollte.

Welches System ist günstiger?

Das hängt vom Profil ab, nicht vom Listenpreis. Bei wenigen Artikeln und moderatem Auftragsvolumen ist der JTL-Einstieg günstiger, weil die Basisedition nichts kostet. Bei hohem Umsatz mit wenigen Aufträgen kann sich das Verhältnis drehen, weil plentyONE nach Umsatzgrenzen abrechnet und JTL nach Auftragsmenge. Rechnen Sie beide Modelle mit Ihren eigenen Zahlen durch.

JTL unverbindlich ausprobieren

Die Einstiegsedition kostet nichts. Wer vorher wissen will, ob der Umstieg im eigenen Fall überhaupt trägt, kann auch einfach mich fragen.

Quellen

  1. Preise und Editionen der JTL-Produkte JTL-Software GmbH, abgerufen am 28.07.2026
  2. Systemvoraussetzungen aller JTL-Produkte JTL-Guide, abgerufen am 28.07.2026
  3. plentyONE Preise und Tarife plentyONE GmbH, abgerufen am 28.07.2026

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