JTL-Shipping 2.0 einrichten: DHL-Abrechnungsnummern richtig zuordnen und Wawi-API ohne zweiten SQL Server
Die Umstellung selbst ist kein Hexenwerk. Zwei Stellen kosten trotzdem Zeit: eine DHL-Nummer, für die es keinen Code gibt, und ein Haken, der einen zweiten SQL Server installiert.
Zwischen dem 14. und 16. Oktober habe ich einen Betrieb von JTL-ShippingLabels 1.0 auf Shipping 2.0 umgestellt. Die Oberfläche ist aufgeräumt, und die eigentliche Einrichtung ist schnell erledigt. Zeit gekostet haben zwei Stellen, die in keiner Kurzanleitung stehen: die Zuordnung der DHL-Abrechnungsnummern, bei der ein Produkt keinen eigenen Code hat, und der Einrichtungsassistent für die Wawi-API, der ungefragt eine zweite SQL-Server-Instanz installieren will.
Beides beschreibe ich hier Schritt für Schritt, vorher kurz das Warum.
Warum jetzt umstellen
JTL zieht Shipping 1.0 schrittweise zurück. Laut JTL-Guide (Stand 14.10.2026) gilt:
- JTL Start mit Shipping Start und Konten ohne Edition: Der letzte Tag für Labels in JTL-ShippingLabels 1.0 war der 12. Oktober 2026. Seit dem 13. Oktober geht es dort nicht mehr.
- JTL Advanced, Pro, Enterprise bzw. die entsprechenden Shipping-Editionen: 1.0 darf vorerst weiterlaufen, auch durch das Weihnachtsgeschäft. Ein Enddatum nennt JTL nicht.
- GLS und DPD: Für die alten Anbindungen in 1.0 gibt es seit dem 30.09.2026 keinen technischen Support mehr. GLS stellt die alte API am 31.12.2026 ein, DPD voraussichtlich Anfang 2027.
Dazu kommt Druck von außen. DHL hat die alte SOAP-Schnittstelle für den Geschäftskundenversand abgeschaltet. Die Versionen 1 und 2 waren schon 2024 und 2025 vom Netz. Version 3 folgte am 31. Mai 2026, zusammen mit der alten Retouren-API. Seitdem gibt es nur noch die REST-API „Parcel DE Shipping“.
An dieser Stelle zeigt sich der Konstruktionsfehler von 1.0. Die Anbindungen steckten direkt in der Wawi. Jede API-Änderung eines Versanddienstleisters brauchte deshalb ein Wawi-Update, mit allem, was dazugehört (die Reihenfolge dafür habe ich separat beschrieben). Shipping 2.0 ist dagegen ein Cloud-Dienst, den JTL zentral pflegt. Ändert DHL etwas, passt JTL es auf seiner Seite an, und in Ihrer Installation muss niemand ran. Passend dazu hat JTL 2025 die Amsterdamer Versandplattform Bringly übernommen. Mehrere Versanddienstleister parallel sind in 2.0 der Normalfall.
Wenn Sie eine Edition haben, die 1.0 noch erlaubt, ist das kein Grund zum Abwarten. Umstellen sollten Sie vor dem Weihnachtsgeschäft und nicht mittendrin.
Einordnung: JTL-Tarife oder eigene Verträge?
Dieser Abschnitt ist meine eigene Einschätzung, keine Aussage von JTL.
Mit Shipping 2.0 bietet JTL auch eigene Versandtarife an. Das Prinzip kennt man von Sendcloud, Shopify oder eBay. Der Plattformbetreiber bündelt das Volumen vieler Händler, verhandelt bessere Preise, verdient pro Label eine Marge mit und bindet den Händler stärker an die eigene Plattform. Das ist legitim und für viele auch günstig.
Ein Blick auf andere Systeme ordnet das ein:
- SAP, Microsoft Dynamics, Oracle haben keine eigene Paketanbindung. Sie nutzen Partner wie nShift oder Metapack.
- plentymarkets, Xentral, Billbee haben eigene Anbindungen und binden zusätzlich Sendcloud oder shipcloud ein.
JTL geht jetzt den Weg der Plattformen. Ihre eigenen Verträge mit DHL & Co. bleiben aber nutzbar, und das ist für die Entscheidung der wichtigste Punkt.
Meine Faustregel:
- Bei kleinem Volumen lohnen sich JTL-Tarife oft. Sie kommen an Preise, die Sie allein nicht verhandeln würden.
- Ab mittlerem Volumen sind eigene Verträge meist günstiger. Dazu kommt ein Vorteil, der in keinem Preisvergleich steht: Bei Schäden und Verlusten haben Sie einen direkten Ansprechpartner beim Versanddienstleister.
Rechnen Sie es durch: Pakete pro Monat × Preisdifferenz pro Paket. Ein Beispiel: Bei 800 Paketen im Monat und 0,40 € Unterschied geht es um 320 € im Monat bzw. 3.840 € im Jahr. Ab da lohnt sich ein Gespräch mit dem eigenen DHL-Vertrieb.
DHL-Abrechnungsnummern richtig zuordnen
Das ist der Teil, an dem die meisten Umstellungen hängen. Shipping 2.0 fragt pro DHL-Produkt eine Abrechnungsnummer ab. Wer nicht weiß, wie sie aufgebaut ist, trägt irgendwo eine falsche ein. Labels werden trotzdem erzeugt, die Abrechnung läuft dann aber über das falsche Produkt.
Aufbau: 14 Stellen, drei Teile
| Teil | Stellen | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| EKP | 10 | 1234567890 |
Ihre Kundennummer bei DHL |
| Verfahren | 2 | 01 |
das Produkt (Paket, Kleinpaket, International …) |
| Teilnahme | 2 | 01 |
fortlaufende Nummer, meist 01 |
Aus der (erfundenen) EKP 1234567890 wird für DHL Paket national also
12345678900101.
Die Verfahrensnummer steckt im JTL-Code
In der Produktauswahl von Shipping 2.0 stehen Codes wie V01PAK oder V62KP. Die Zahl
im Code ist die Verfahrensnummer. Damit ist die Zuordnung eindeutig:
| JTL-Code | Verfahren | DHL-Produkt | Beispiel-Abrechnungsnummer |
|---|---|---|---|
V01PAK |
01 | DHL Paket national | 12345678900101 |
V62KP |
62 | DHL Kleinpaket (früher Warenpost) | 12345678906201 |
V53WPAK |
53 | DHL Paket International | 12345678905301 |
V54EPAK |
54 | DHL Europaket (B2B) | 12345678905401 |
V66WPI |
66 | Warenpost International | 12345678906601 |
V07PAK |
07 | DHL Retoure (national) | 12345678900701 |
Für jedes Produkt legen Sie über „+ Hinzufügen“ eine eigene Zeile an: Code wählen, passende Abrechnungsnummer eintragen. Und zwar nur für Produkte, für die Sie einen Vertrag haben. Ein Europaket ohne Europaket-Vertrag gehört nicht in die Liste, auch wenn die Auswahl es anbietet.
Der Fallstrick: Retoure International
Im Geschäftskundenportal findet sich bei vielen Händlern eine Zeile wie diese:
| Abrechnungsnummer | Produkt | Teilnahme |
|---|---|---|
12345678905302 |
DHL Retoure International | 02 |
Verfahren 53, Teilnahme 02. Für dieses Produkt gibt es in der Auswahl keinen eigenen
Code. Naheliegend wäre, eine zweite V53WPAK-Zeile anzulegen und die Nummer dort
einzutragen. Genau das sollten Sie nicht tun. Zwei Zeilen mit demselben Code und
unterschiedlichen Nummern sind nicht eindeutig. Im schlimmsten Fall laufen dann Ihre
normalen internationalen Pakete über die Retourennummer, oder umgekehrt.
Lassen Sie die Retoure International weg, bis JTL einen eigenen Code dafür anbietet.
Wo Sie die Nummern finden
Im DHL Geschäftskundenportal unter Vertragsdaten → Abrechnungsnummern. Die Tabelle dort hat die Spalten Abrechnungsnummer, Produkt und Teilnahme. Gehen Sie sie Zeile für Zeile durch und ordnen Sie jede einem JTL-Code aus der Tabelle oben zu. Bleibt eine Zeile übrig, für die es keinen Code gibt, ist das kein Fehler. Diese Zeile bleibt einfach draußen.
Wawi-API einrichten, ohne zweiten SQL Server
Shipping 2.0 läuft in der Cloud, muss aber an Ihre Aufträge kommen. Dafür braucht es die Wawi-API als lokalen Dienst, der über die JTL-Cloud erreichbar ist. Eingerichtet wird sie im JTL-Administrator.
Weg 1: der JTL-Cloud-Einrichtungsassistent
Der Assistent führt durch alle Schritte. Einer davon heißt
„SQL Server 2025 Express Installation“. Dort steht eine Checkbox
„SQL Server 2025 Express installieren“, vorbelegt mit der Instanz JTLWAWI_2.
Läuft auf dem Rechner bereits ein SQL Server mit Ihrer Wawi-Datenbank, lassen Sie diesen Haken leer.
Sonst installiert der Assistent eine zweite, leere Instanz. Die API landet dann womöglich dort statt bei Ihrer echten Datenbank. Die Fehlersuche ist mühsam, weil einzeln betrachtet alles „läuft“.
Danach:
- Profil und Mandant wählen.
- Bei JTL Cloud anmelden.
- Unter „Windows-Dienste wählen“ die Wawi-API anhaken.
Weg 2: direkt im JTL-Administrator
Alternativ geht es ohne Assistent über Anlegen → Wawi-API:
- Zuerst das Profil im Dropdown wählen. Vorher bleibt das Mandantenfeld ausgegraut. Es sieht dann aus wie ein Rechteproblem, ist aber nur die Reihenfolge.
- Schnittstelle:
127.0.0.1, Port:5883 - „Zertifikat erzeugen“
- „Als Dienst anlegen“
Was danach in den Diensten steht
Der Assistent legt nicht einen Dienst an, sondern fünf (<mandant> steht für den Namen
Ihres Mandanten):
| Dienst | Aufgabe | Port |
|---|---|---|
EventBus_<mandant> HostMode |
Nachrichtenbus, Host-Seite | 1884 |
EventBus_<mandant> TenantMode |
Nachrichtenbus, Mandanten-Seite | 0.0.0.0:1883 |
WawiApi_<mandant> |
die Wawi-API, „Cloud Connected“ | 5883 |
JTL-Archive_<mandant> |
Dokumente / Archiv | – |
ServiceBridge_<mandant> |
Brücke zu weiteren Diensten | 18080 |
Nach dem Anlegen stehen sie alle auf „Gestoppt“. Das ist normal. Gestartet wird in dieser Reihenfolge:
- beide EventBus-Dienste
- WawiApi
- Archive
Die API hängt am EventBus. Startet sie zuerst, findet sie ihn nicht.
Kontrolle in der Wawi
In der Wawi unter „Cloudverbindung einrichten“:
- Lokale APIs → Wawi-API zeigt nicht mehr „Nicht gestartet“.
- JTL-Cloud-Dienste (API Gateway, Tunnel Dienst, JTL-Cloud Zentral) stehen auf „Erreichbar“.
Erst wenn beides passt, legen Sie in Shipping 2.0 die Versanddienstleister an.
Wenn ein Dienst sofort wieder stoppt
Startet ein Dienst und steht nach ein paar Sekunden wieder auf „Gestoppt“, liegt es meistens am Konto, unter dem er läuft. Unter dem lokalen Systemkonto fehlt Konfiguration, die unter einem normalen Benutzer vorhanden wäre. Das Muster kenne ich vom JTL-Worker, die Ursachen und die Lösung stehen im Beitrag zum Worker als Windows-Dienst.
Den genauen Grund liefert die Ereignisanzeige. Dieser Befehl zeigt den letzten .NET-Absturz im Klartext:
wevtutil qe Application /q:"*[System[Provider[@Name='.NET Runtime']]]" /c:1 /rd:true /f:text
Dort steht meistens die Exception mit dem Pfad, der fehlt oder nicht lesbar ist. Danach lässt sich gezielt suchen.
Checkliste für die Umstellung
- Edition prüfen: Gilt für Sie schon eine Frist, oder dürfen Sie 1.0 noch nutzen?
- Abrechnungsnummern aus dem DHL-Geschäftskundenportal ziehen und jede einem Code zuordnen. Was keinen Code hat, bleibt draußen.
- Wawi-API einrichten, ohne zweite SQL-Instanz.
- Dienste in Reihenfolge starten, dann in der Wawi „Erreichbar“ prüfen.
- Testlabel pro Produkt erzeugen, national, Kleinpaket, international, Retoure, und die Abrechnungsnummer auf dem Label bzw. in der DHL-Übersicht kontrollieren.
- Erste DHL-Rechnung nach der Umstellung gegen die Produkte prüfen.
Die Umstellung ist an einem Vormittag erledigt, wenn die Nummern vorher sortiert sind. Fehlen sie, dauert es länger, weil man dann zwischen Geschäftskundenportal und JTL hin und her springt. Im Beitrag zur Vorbereitung auf JTL-Wawi 2.0 hatte ich empfohlen, die Versandumstellung als eigenes Projekt zu behandeln. Das gilt für Shipping 2.0 erst recht.
Quellen: JTL-Guide: Shipping 2.0, Migration & Fristen (Stand 14.10.2026), DHL-API-Statusmeldungen 210780 und 237457, Übernahme von Bringly durch JTL. Abgerufen am 16.10.2026.
Häufige Fragen
Wie ist eine DHL-Abrechnungsnummer aufgebaut?
Sie hat 14 Stellen: die 10-stellige EKP (Ihre Kundennummer bei DHL), dann 2 Stellen Verfahren (das Produkt, zum Beispiel 01 für DHL Paket national) und 2 Stellen Teilnahme (meist 01). Aus der EKP 1234567890 wird für DHL Paket national also 12345678900101.
Welcher JTL-Code gehört zu welcher DHL-Verfahrensnummer?
Die Zahl im Code ist die Verfahrensnummer: V01PAK ist 01 (DHL Paket national), V62KP ist 62 (Kleinpaket, früher Warenpost), V53WPAK ist 53 (Paket International), V54EPAK ist 54 (Europaket), V66WPI ist 66 (Warenpost International) und V07PAK ist 07 (Retoure national).
Wo trage ich die Abrechnungsnummer für DHL Retoure International ein?
Für sie gibt es in der Produktauswahl keinen eigenen Code. Tragen Sie sie nicht als zweite V53WPAK-Zeile ein, sonst kann die falsche Nummer abgerechnet werden. Legen Sie nur Produkte an, für die es einen eigenen Code und einen Vertrag gibt.
Brauche ich für die Wawi-API einen eigenen SQL Server?
Nein. Der JTL-Cloud-Einrichtungsassistent bietet zwar an, SQL Server 2025 Express mit der Instanz JTLWAWI_2 zu installieren. Läuft bereits ein SQL Server mit Ihrer Wawi-Datenbank, lassen Sie den Haken leer. Sonst entsteht eine zweite, leere Instanz, auf die die API im schlimmsten Fall zeigt.
Wird JTL-ShippingLabels 1.0 für alle abgeschaltet?
Nein, laut JTL-Guide (Stand 14.10.2026) nicht. Für JTL Start mit Shipping Start und Konten ohne Edition endete die Labelerstellung in 1.0 am 13. Oktober 2026. Mit JTL bzw. Shipping Advanced, Pro oder Enterprise darf 1.0 vorerst weiterlaufen. Für die alten GLS- und DPD-Anbindungen gibt es seit 30.09.2026 keinen Support mehr, und DHL hat seine alte SOAP-Schnittstelle schon Ende Mai 2026 abgeschaltet.